Auch wenn aufgrund der Corona-Pandemie auf den gewohnten festlichen Rahmen verzichtet werden musste, so wurden doch traditionell in der Weihnachtssitzung des Stadtrates am 10. Dezember 2020 die Ehrenpreise der Stadt Weilheim i.OB verliehen.

  • Der Kulturpreis 2020 ging an den Weilheimer Künstler Jos Huber
  • Den Sozialpreis 2020 erhielt die Fairtrade-Projektgruppe der Privaten Oberlandschulen Weilheim e.V.
  • Den Umweltpreis 2020 erhielt die Kräuterpädagogin Elisabeth Doll

Der Maler und Grafiker Jos Huber wurde mit dem Kulturpreis 2020 für sein künstlerisches Wirken, sein Engagement und nicht zuletzt seine Großzügigkeit als Großer des Weilheimer Kunstszene ausgezeichnet. Diese stellte der Preisträger erneut mit seinem Geschenk, der "Weilheimer Verkündigung" bei seiner Dankesrede unter Beweis. In dieser wirkte er nochmal eindringlich darauf hin, dass das Weilheimer Stadtmuseum "repräsentativ und großzügig erneuert werden soll, damit dieses Kleinod in neuem Glanz erstrahlt."

Mit dem Sozialpreis 2020 honorierte der Stadtrat das Engagement der Fairtrade-Projektgruppe der Privaten Oberlandschulen Weilheim e.V., mit dem die Schülerinnen und Schüler zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Familien in Afrika, Asien und Lateinamerika beitragen. Stellvertretend für die Schülerinnen und Schüler nahmen die Schulleiterin Ingeborg Krabler sowie die Lehrerinnen Annette Kochanowski und Dr. Sabine Schneider (4. bis 2. von rechts) die Auszeichnung entgegen.

Ihr vielfältiger Einsatz für die Gartenkultur und Umwelt sowie ihre Liebe und Begeisterung für die Heilpflanzen prädestiniert die Kräuterpädagogin Elisabeth Doll (auf dem Gruppenfoto in der Mitte mit ihrem Ehemann Michael) geradezu für den Umweltpreis 2020, so war die einhellige Meinung des Stadtrates.

Nachfolgend finden Sie die Laudatien zum Kulturpreis, Sozialpreis und Umweltpreis:

Kulturpreis 2020 (Laudator: Erster Bürgermeister Markus Loth)

Der Kulturpreis 2020 geht an den Weilheimer Maler und Grafiker Josef (Jos) Huber für seine hervorragenden Verdienste um das kulturelle Leben hier in Weilheim.

Jos Huber ist eine herausragende Künstlerpersönlichkeit, die von Anfang an für den Ruhm seiner – und das empfindet er wirklich so – Wahlheimat Weilheim als lebendige Künstlerstadt viel geleistet hat.

Als er vor über einem Vierteljahrhundert zusammen mit seiner Frau zu uns nach Weilheim zog, war der gelernte Lithograf bereits in seiner Heimatstadt München seit Jahrzehnten als Künstler aktiv, und das mit großem Erfolg.

Seine maltechnischen Kenntnisse hatte er sich autodidaktisch vor allem durch ausführliche Studien in europäischen Museen erworben. Seine Ausstellungen führten ihn schon bis nach Kuala Lumpur, und auch im Haus der Kunst in München waren Werke von ihm zu sehen. Mittlerweile hat er auch Lehrbücher verfasst, in denen er seine Maltechnik im Stil der „Alten Meister“ erklärt.

Mit seiner ganz speziellen Kunst spricht er Jung und Alt gleichermaßen an und trägt dazu bei, dass der Kunststandort Weilheim nicht nur in den vergangenen Jahrhunderten, sondern auch in der Gegenwart vielfach beachtet wird.

Als „Zuagroaster“ wollte er der Stadt – in der er sich sofort wohl gefühlt hat – etwas geben, das es bisher nicht gegeben hatte. Und so war er im Jahr 2000 Mitgründer des Kunstforums Weilheim. Im Laufe des inzwischen 20-jährigen Bestehens wirkte er an zahllosen Ausstellungen mit.

In so manchem seiner Werke beschäftigt Jos Huber sich mit der Antike und mit berühmten Malern der Kunstgeschichte – nicht zuletzt mit den großen Künstlern und Kunsthandwerkern der Weilheimer Schule wie Wolfgang Glaner, Hans Degler und Georg Petel.

Herr Huber bewundert die alten Meister, kopiert sie aber nicht, sondern lässt deren Figuren in einem anderen Kontext wiederkehren. Seine Bilder stechen durch ihre Strahlkraft hervor. Er ist ein bedeutender Künstler, der sich keinem Zeitgeist und keiner aktuellen Strömung verpflichtet fühlt. Er vereint Gesellschaftskritik, Schönheit und manchmal augenzwinkernde Ironie zu wunderbaren aktuellen Kunstwerken. Als Motive finden sich oft surreale Landschaften, Mythen, Allegorien oder Bildzitate aus der Kunstgeschichte.

Die Verbundenheit mit der Stadt Weilheim zeigte sich nicht zuletzt in unserem Jubiläumsjahr 2010. Der damals 75-jährige Künstler schuf dazu als Geschenk für die Stadt sein Werk „Karton mit Durchblick 6“, das einen alten Karton mit Motiven und Anspielungen auf Weilheims Geschichte darstellt. Zudem zeichnete Jos Huber zwölf Bilder aus der Geschichte der beiden Orte für den Weilheim-Pollinger Jubiläumskalender. Deren Originale wurden nach ihrer Ausstellung im Stadttheater von der Stadt Weilheim erworben.

Für sein herausragendes künstlerisches Schaffen und seinen Einsatz für das Wachhalten der Erinnerung an die großen Weilheimer Künstler der Vergangenheit wurde Jos Huber im Jahr 2015 mit dem Georg-Petel-Preis ausgezeichnet.

Verehrter Herr Huber,

wie sehr Ihnen unser Stadtmuseum am Herzen liegt, zeigten Sie mit Ihrer Spende des seinerzeitigen Preisgeldes in Höhe von 1.000 Euro an den Förderverein zur Sanierung des Museums. Sie unterstützten den Verein zudem auch mit Zeichnungen, die dieser bei Aktionen in bare Münze umwandeln konnte.

Dafür noch einmal einen herzlichen Dank. Ihre künstlerische Arbeit und Ihr Engagement in der Weilheimer Kunstszene bewog den Stadtrat der Stadt Weilheim, Sie heute mit dem hochverdienten Kulturpreis 2020 zu ehren.

Sozialpreis 2020 (Laudator: Dritter Bürgermeister Alfred Honisch)

Der Sozialpreis 2020 geht an die Fairtrade-Projektgruppe der Privaten Oberlandschulen Weilheim e.V. für deren Engagement, hier vor Ort fairen Handel zu unterstützen und ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu schaffen.

Lassen Sie uns kurz auf die Anfänge zurückschauen: Der Weilheimer Stadtrat beschloss im Oktober 2016, an der „Fairtrade Towns-Kampagne“ um den Titel „Fairtrade Town“ teilzunehmen und suchte deshalb eine Weilheimer Schule als Fairtrade-Partner – denn das war eine der Voraussetzungen, den Titel zu erhalten.

Die Schulfamilie der Privaten Oberlandschulen war von der Idee begeistert, sie registrierte ihre Schule im November 2017 für die Kampagne „Fairtrade School“ und gründete eine Fairtrade-Arbeitsgemeinschaft unter der Leitung der Lehrerin Dr. Sabine Schneider. Schon Anfang Dezember startete die Arbeitsgemeinschaft mit dem Verkauf von „fairen“ Nikoläusen an der Schule sowie mit „fairen“ Geschenkpäckchen für die Weilheimer Tafel als nächste Aktion.

Damit waren die nötigen Partner vorhanden, und die Stadt Weilheim wurde im Januar 2018 als „Fairtrade Town“ ausgezeichnet. An den Oberlandschulen ging es mit Elan weiter. Die AG traf sich von nun an wöchentlich und nahm die Voraussetzungen ins Visier, die für die Auszeichnung als Fairtrade-Schule erforderlich waren.

Plötzlich gab jede Menge zu tun. Mit fairer Flower-Power zum Valentinstag, mit Projekttagen, Seminaren und Workshops ging es weiter, und so konnte die Schulfamilie bereits im Juli 2018 ihre Auszeichnung als „Fairtrade-School“ entgegennehmen. Diese erfolgreichen Aktionen wurden in den darauffolgenden Jahren beibehalten, zudem richtete die Fairtrade-AG inzwischen einen eigenen Kiosk ein. Auch das Lehrerkollegium hat seine Konsumgewohnheiten entsprechend umgestellt. Darüber hinaus spielt „Fairtrade“ bei Schulfesten und dem Tag der offenen Tür stets eine große Rolle

Die Projektgruppe ist aber nicht nur innerhalb der Oberlandschulen aktiv. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Partnern der „Fairtrade-Town“ Weilheim liegt ihr am Herzen. Und so beteiligt sie sich mit ihnen zusammen etwa an Aktionen der Agenda 2030 oder der Stadt Weilheim – beispielsweise an der fairen Weihnachtshütte im Advent 2018.

Daher war es nur eine logische Konsequenz, dass am 12. Juli dieses Jahres die Titelerneuerung zur Fairtrade School für weitere zwei Jahre gefeiert werden konnte. Nachträglich dazu noch unser aller Glückwünsche!

Die Schülerinnen und Schüler tragen mit jeder ihrer Aktionen zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Familien in Afrika, Asien und Lateinamerika bei und schaffen durch ihre persönliche Überzeugung in ihrem schulischen, aber auch privaten Umfeld ein Bewusstsein dafür. Sie sind dadurch Multiplikatoren der gesellschaftlich zunehmenden Forderung nach national und weltweit fairen Handels.

Ein besonderer Dank geht an Sie, verehrte Frau Dr. Schneider, Sie vertreten nicht nur heute die Fairtrade-Gruppe, sondern haben diese von Anfang an vorgedacht, entwickelt und geleitet. Darüber hinaus vermögen Sie es, fächerübergreifend aktuelle wirtschaftspolitische Fragestellungen wie etwa das geplante „Lieferkettengesetz“ im Unterricht spannend zu verorten. Ich appelliere an Sie alle, das wichtige Projekt des fairen und nachhaltigen Produzierens mit großem Elan weiter zu führen.

Meine Damen und Herren, stellvertretend für alle Mitglieder der Gruppe wird der Sozialpreis heute der Leiterin der Arbeitsgemeinschaft und Lehrerin der Oberlandschulen, Frau Dr. Sabine Schneider und der Schulleiterin Inge Krabler übergeben.

Im Namen des gesamten Stadtrats sowie der Bürgermeister herzlichen Dank für dieses wunderbare Projekt.

Umweltpreis 2020 (Laudatorin: Zweite Bürgermeisterin Angelika Flock)

Der Umweltpreis 2020 geht an Elisabeth Doll für ihre langjährige Arbeit als Kräuterpädagogin und Gartenbäuerin sowie ihr Engagement in verschiedenen Vereinen und Institutionen der regionalen Gartenkultur.

„Die Natur hautnah erleben, spüren, schmecken, was auf unseren Wiesen, Feldern und in unseren Wäldern wächst und gedeiht. Sich die Finger dreckig machen, beim Pflücken, Ernten, Verarbeiten und Kochen.“ – ein bezeichnender Ausspruch unserer Preisträgerin Elisabeth Doll.

Jeder, Jede der/ die den Wieshof in Marnbach schon einmal besucht hat, spürt dort die Naturverbundenheit und die Begeisterung seiner Besitzerin für die sich über die Jahrtausende entwickelte Gartenkultur. Die gelernte Hauswirtschaftsmeisterin Elisabeth Doll bewirtschaftet zusammen mit ihrem Mann den Biobauernhof und geht dort ganz in ihrer Leidenschaft – den Gemüse- und Kräutergärten – auf, in denen sie auch alte und unbekannte Gemüsearten anbaut.

Die Kräuterpädagogin hat auf ihrem Hof neben einem Heilpflanzen-Lehrgarten inzwischen liebevoll zwei historische Gärten angelegt, in denen sie Interessierte auf eine Zeitreise ins Mittelalter mit seinen Erkenntnissen zur vielfältigen Nutzung der Kräuter und Pflanzen mitnimmt.

Hier hat sie zum einen einen Garten nach dem Vorbild Kaisers Karl dem Großen, zum anderen einen sogenannten Hortulus – zu deutsch: ein kleines Gärtlein – nach den Vorgaben des Benediktinermönchs Walahfrid Strabo angelegt. Strabos Lehrgedicht „De cultura hortorum“ ist übrigens das erste schriftliche Zeugnis über Gartenbau auf deutschem Boden.

Frau Doll bietet zudem in ihrer Naturküche Kochkurse an und produziert aus den geernteten Schätzen Essige, Liköre, Kräutersalz und andere Köstlichkeiten.

Die Räumlichkeiten stellt sie auch für Kurse anderer Veranstalter zur Verfügung. So verleben zum Beispiel auch seit Jahren Kinder im Rahmen des Ferienprogramms der Stadt Weilheim dort spannende Stunden und entdecken die Lust an Selbstgemachtem.

Als langjährige Vorsitzende des Vereins für Gartenkultur Marnbach-Deutenhausen engagiert sich Frau Doll in vielfältiger Weise.

Sei es etwa bei der Gestaltung und Pflege öffentlicher Flächen der beiden Dörfer, bei der Beratung der Gartenbesitzer oder zahlreichen Aktionen im Zusammenhang mit der regionalen Gartenkultur. „Traue keinem Garten, in dem kein Unkraut wächst“ – was für eine sympathische Aussage unserer Preisträgerin.

Ihre Begeisterung für das Thema trägt Frau Doll aber auch als 1. Vorsitzende der Vereinigung „Gartenbäuerinnen und Kräuterpädagogen Oberland“ an Interessierte weiter. Der Verein ist ein Zusammenschluss von Bäuerinnen, die sich nach einer zweijährigen Qualifizierungsmaßnahme als „zertifizierte Gartenbäuerin“ bezeichnen dürfen. Das dabei erworbene Wissen geben sie an große und kleine Gartenfreunde weiter. Neben Vorträgen, Workshops oder Kräuterwanderungen sind auch Kochkurse, Aktionen mit Kindern und ganz individuelle Hilfe bei der Gartengestaltung sehr gefragte Angebote.

Frau Doll ist zudem seit dessen Gründung 2014 im Netzwerk „Gartenwinkel-Pfaffenwinkel“ äußerst aktiv. Die Teilnehmenden öffnen ihre Gärten an vier thematisch unterschiedlichen Aktionstagen, um die Gesellschaft für regionale Gartenkultur und auch für ihre ökologische Verantwortung zu sensibilisieren und zu begeistern. Außerdem bieten sie Führungen, Workshops sowie kulturelle Veranstaltungen an.

Auf dem Marnbacher Wieshof finden regelmäßig Saatgut- und Pflanzentauschmärkte statt. Die Mitglieder im Netzwerk füllen dafür in eigenen Gärten gesammelte Samen in Päckchen und geben diese an Interessierte gegen eine Spende ab. Damit wird die alte Tradition, sortenreine Samen aus den eigenen Gärten von Generation zu Generation weiterzugeben, wiederbelebt und die biologische Vielfalt erhalten.

Auch wenn dieses Jahr Corona-bedingt nicht so viel möglich war, so startete das Netzwerk im Oktober mit der „grünen Meile“ in Böbing eine ganz wunderbare Aktion, bei der große und kleine Gartler aus über hundert Pflanzenarten das Passende auswählen und gegen eine Spende mit nach Hause nehmen konnten.

Liebe Frau Doll, aus all Ihrem Engagement spricht die Liebe zu unserer Umwelt und die Begeisterung für die Kräfte der Natur. Die Mitglieder des Stadtrates bedanken sich für Ihr vielfältiges Wirken. Wir sind einhellig der Meinung, dass Sie deshalb geradezu prädestiniert sind, mit dem Umweltpreis 2020 der Stadt Weilheim ausgezeichnet zu werden.

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