Wer hat im Oberland im letzten Jahr den meisten Solarstrom zugebaut? Ganz vorne liegen Kommunen, in denen 2020 große Freiflächenanlagen ans Netz gingen. Weilheim, Peißenberg und Uffing führen mit ihren neuen Anlagen die Zubau-Liga an und gewinnen pro Solarpark rund 750 Kilowatt peak (kWp) aus Sonnenstrom. Bei so viel vorbildlichem Gleichstand gaben schließlich die Bürgerinnen und Bürger den Ausschlag beim Wettlauf um den Preis der Energiewende Oberland (EWO). In Weilheim gingen allein im Jahr 2020 68 neue Anlagen in Betrieb und katapultierten die Stadt damit auf Platz 1.

Top 20 Kommunen im Oberland

  • Weilheim, 1,654 kWp
  • Peißenberg, 1,110 kWp
  • Uffing, 1,052 kWp
  • Schwabsoien, 1,042 kWp
  • Schongau, 842 kWp
  • Eschenlohe, 836 kWp
  • Peiting, 735 kWp
  • Penzberg, 716 kWp
  • Bad Tölz, 689 kWp
  • Geretsried, 605 kWp
  • Pähl, 524 kWp
  • Holzkirchen, 494 kWp
  • Dietmarszell, 418 kWp
  • Habach, 343 kWp
  • Murnau, 340 kWp
  • Garmisch-Partenkirchen, 336 kWp
  • Egling, 320 kWp
  • Otterfing, 314 kWp
  • Eurasburg, 297 kWp

Den EWO-Solarstrompreis erhalten die drei Kommunen damit für den Zubau großer Anlagen, aber auch für das Engagement vieler einzelner Bürgerinnen und Bürger für den Klimaschutz.

Je mehr Solarzellen auf den Dächern installiert wurden, umso größer die Aussicht auf Auszeichnung. Schon in den Jahren 2013 belegte Weilheim den 2. Platz und 2019 ging der 3. Platz nach Weilheim, berichtet Bürgermeister Markus Loth stolz bei der Online-Preisbekanntmachung der EWO.

Laut EWO wurden in Weilheim Ende vergangenen Jahres eine Freiflächenanlage und 68 Bürger:innenanlagen, davon 3 kleine „Balkonkraftwerke“ bis hin zu großen Dachanlagen errichtet. Somit konnten 2020 in Weilheim insgesamt 1654,8 kWp Photovoltaik (PV) installiert werden. Bürgermeister Loth freut sich, dass die Weilheimer:innen beim Bauen einen großen Wert auf Nachhaltigkeit legen und betonte auch, dass die Stadt versucht ihrer Vorbildfunktion in Sachen Klimaschutz gerecht zu werden. Vor allem mit der Beauftragung des Energienutzungsplans und der Einstellung der Klimaschutzmanagerin habe die Stadt dieses Jahr zwei wichtige Schritte auf einen guten Weg in Richtung Klimaneutralität gemacht.

Datengrundlage für den Solarstrompreis im Oberland sind die Meldungen an die Bundesnetzagentur, bei der alle neu errichteten Anlagen angegeben werden müssen. Um die Preisträger-Kommunen zu ermitteln, wertet die Fachgruppe Solarenergie der EWO jährlich die installierten PV-Anlagen in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach und Weilheim-Schongau aus. In Summe wurden 2020 über 21 Megawatt (peak) an Solarmodul-Leistung auf Dächern und Freiflächen im Oberland verbaut. Mit dem erzeugten Strom können bilanziell über 4.000 Haushalte mit erneuerbarem Strom versorgt werden.

Aber ist der Zubau von so vielen PV-Anlagen überhaupt sinnvoll, wenn sie möglicherweise mehr Energie bei der Herstellung brauchen, als sie in 20 Jahren erzeugen können? Das Umweltbundesamt hat hierzu eine aktuelle Ökobilanz von PV-Anlagen veröffentlicht . Ergebnis der Ökobilanz vom Mai 2021: Je nach Art der Module liegt die Zeit, in der die Energie für die Herstellung durch die Stromerzeugung aus der Anlage wieder eingespielt ist, zwischen 0,9 und 2,1 Jahren. Anschließend produziert eine PV-Anlage dann über mehrere Jahrzehnte zusätzlichen Strom. Wo und zu welchen Bedingungen eine PV-Anlage sinnvoll sei, lasse sich über das Solarkataster des Landkreises sehr gut feststellen.

Und was passiert, wenn PV-Anlagen vom Dach müssen, weil sie z. B. beschädigt sind? Auf Grundlage des Elektronikgerätegesetzes kommen sie als elektronisches Altgerät zum Recycling auf den Wertstoffhof. Privatleute können dort kostenfrei bis zu 20 Module abgeben und erhalten eine Übergabequittung als erforderlichen Entsorgungsnachweis. Sondermüll ist keiner enthalten, wertvolle Grundstoffe wie Glas, Aluminium und Halbleitermaterialien bleiben erhalten. Eine komplett recycelte Anlage kann eine Wiederverwertung der eingesetzten Materialien von 95% erbringen .

Auch in Sachen Finanzamt gibt es seit Juni 2021 eine gute Nachricht: Bei PV-Anlagen bis 10 Kilowatt Leistung auf privaten Gebäuden gilt laut Verwaltungsanweisung des Bundesministeriums für Finanzen BMF der Modus „Liebhaberei“. Wer einen formlosen Antrag beim Finanzamt ausfüllt, muss die Einkünfte aus der PV-Anlage in der Einkommensteuererklärung nicht angeben. Und wer außer der Einspeisevergütung keine weiteren Gewinne aus der Anlage erzielt, kann die „Kleinunternehmerregelung“ wählen und ist nicht umsatzsteuerpflichtig.

In diesem Sinn setzt sich die Stadt Weilheim i. OB und die Bürgerstiftung Energiewende Oberland weiter dafür ein, dass Photovoltaikanlagen mit ihrer sehr guten Rentabilität zum selbstverständlichen Bestandteil eines jeden Hauses werden. Ob die eigene Gebäudefläche für Photovoltaik-Anlagen geeignet ist, zeigt das Solarkataster des Landkreises Weilheim-Schongau.

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