Porträt des Bindo Altovit Bild: Augustin Schmidtner, Porträt des Bindo Altoviti nach einem Gemälde Raffaels

Um das Gewerbe im Königreich Bayern zu fördern, war man ab dem Ende des 18. Jahrhunderts darum bemüht, in allen Städten Zeichenschulen einzurichten. Dort sollten die Schüler die Grundlagen von Perspektive, Proportionen und Zeichentechniken erlernen, die ihnen in ihren späteren Berufen als Zimmermann, Goldschmied, Schreiner, Baumeister etc. von Nutzen sein konnten.

Auch in Weilheim wurde 1833 eine solche Zeichenschule eingerichtet. Nach der Eröffnung der Schule hatte man allerdings zuerst einige Probleme geeignete Lehrer zu finden. Erst 1834 konnte mit dem ehemaligen königlichen Baukondukteur Matthäus Hörl ein Zeichenlehrer verpflichtet werden, der die Schule über mehrer Jahre hinweg leitete. 1839 übernahm der Maler Anton Baur die Stelle des Zeichenlehrers und 1853 folgte ihm der Maler und Lithograf Anton Lehning nach. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ging die Zeichnungsschule dann wohl im Angebot der „Real- und gewerblichen Fortbildungsschule“ auf, in der ab 1878 der Lehrer Ulrich Frank Zeichenunterricht gab.

Im Stadtmuseum Weilheim haben sich neben einem Selbstporträt des Zeichenlehrers Anton Baur auch einige grafische Blätter erhalten, die wohl mit dieser Zeichenschule in Verbindung stehen.

Das wäre zum einen eine ganze Anzahl von Druckgrafiken mit Vorlagen für die Darstellung von einzelnen Körperteilen, wie Händen und Füßen sowie geometrischen Formen. Solche Vorlageblätter waren in den Künstlerwerkstätten Europas schon seit Jahrhunderten verbreitet und fanden dann auch in den Zeichenschulen Verwendung.

Zum anderen haben sich einige Handzeichnungen im Museum erhalten, die entweder ebensolche Details, wie sie auf den Vorlageblättern zu finden sind, wiedergeben oder aber Kopfstudien aus berühmten Gemälden zeigen. Diese Handzeichnungen sind mit dem Namen Augustin Schmidtner signiert. Bei ihm wird es sich wohl um den späteren Weilheimer Stadtziegler August Schmidtner (1819-1853) handeln, der in 30ger Jahren des 19. Jhs. die Weilheimer Zeichenschule besucht haben könnte. Dieser jung verstorbene August Schmidtner war ein Bruder des Lokalhistorikers und Spitalkuraten Andreas Schmidtner und ein Cousin des Architekten des Weilheimer Spitals und der Spitalkirche Leonhard Schmidtner.

Die Druckgrafiken und Zeichnungen sind bis zum 22.7. in der Reihe „Schätze aus dem Depot“ im Ausstellungsraum des Stadtmuseums zusehen.

[Bild: Augustin Schmidtner, Porträt des Bindo Altoviti nach einem Gemälde Raffaels]

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