Baader und Schmädl

Im ehemaligen Eingangsraum des Alten Rathauses sind in zwei Kabinetten Werke des Pfaffenwinkel-Malers Johann Baptist Baader (1717 bis 1780) und des Pfaffenwinkel-Bildhauers Franz Xaver Schmädl (1705 bis 1777) zu besichtigen. Anläßlich des 40. Geburtstages des Pollinger Kloster-Apothekers Honnakom (1766) entstanden dessen Bildnis und der Bücherschrank mit der Legende der hl. Katharina (Patronin der Gelehrten). Um 1766 malte der "Lechhansl" auch das Bild "Der heilige Ulrich, vor einem Afra-Altar betend" und eine Verkündigung Mariae. Schmädl war Weilheimer Bürgermeister und Schöpfer großartiger Altäre (Dietramszell, Oberammergau, Rottenbuch, Schongau, Weilheim). Als Zeitgenosse und Mitarbeiter J. B. Straubs (aus dessen Kreis befindet sich ein reizvoller Putto im Museum) übertrug Schmädl den höfischen Rokoko-Stil auf die ländliche Umgebung. Das Museum besitzt von seiner Hand eine Verkündigungs-Maria, einen Propheten und einen Gemälde-Ornamentrahmen als Stiftung "für einen gnädigen Tod". Aus der Werkstatt ging die lebensgroße Franziskus-Figur hervor (ehemaliges Weilheimer Franziskaner-Kloster). Im Kabinett befinden sich auch Engel des Hofbildhauers Roman Anton Boos (1733 bis 1810).

Weilheimer Künstler

Im Saal, der den Weilheimer Bildhauern Petel, Krumper, Degler, Steinle und Angermair gewidmet ist, stehen einige Hauptwerke des Museums. Zu ihnen gehört der 1587 datierte und von Clement Betle signierte Intarsienschrank als dessen Meisterstück. Sohn Jörg (1601 / 1602 bis 1634) war der führende Bronze-Bildhauer und Elfenbeinschnitzer seiner Zeit. Von ihm besitzt das Museum eine Kreuzigungsgruppe und einen hornblasenden Putto. Hans Krumper (um 1580 bis 1634), der Erbauer der Weilheimer Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt, hinterließ als Schnitzwerk das Relief "Musizierende Engel", sein Vater Adam Krumper einen Johann Evangelist (dat. 1606). Steinle und Hans Degler gelten als die ortsansässigen Hauptmeister der "Weilheimer Schule". Erwähnenswert sind zwei lebensgroße Heilige und ein segnendes Christkind (um 1620). Den Saal zieren neben einer Stuckdecke zwei Altar-Antependien von M. Schaidhauf (um 1720). Sieben Gemälde (Passionszyklus, Assumptio Mariae, Kreuztragung) erinnern an die Tätigkeit von Elias und Johann Greither (um 1610 / 1620). Christoph Angermairs berühmter Elfenbeinmünzschrein (1618 bis 1624) für Kurfürst Maximilian existiert in einer Kopie von 1896. Zu den zahlreichen Neuerwerbungen gehören das bestens erhaltene Pollinger Tafelgemälde "Thronende Muttergottes mit Kind" (Jörg Greimolt, datiert 1526), eine Katharinen-Büste von Angermair (um 1625) und ein Josefs-Relief von Franz Anton Dirr (1793).

Handwerk

Dank der regen Sammlertätigkeit des Museumsgründers Benedikt Höck (1825 bis 1901) kann sich Weilheim bedeutender Werke einheimischer Goldschmiede, Zinngießer, Kupferschmiede und Hafner rühmen. Hervorzuheben ist vor allem die Tätigkeit der Goldschmiedefamilien Glaner (Kokosnußpokal, 1584) und Kipfinger (Humpen). Die Zinngießer vertritt die Familie Landtsperger, von der das Museum Schleifkannen der Schuhmacher-, Bäcker- und Müllerzunft besitzt. Von besonderem Interesse ist auch die Hefenkanne mit figürlichen Darstellungen von Georg Landtsperger (datiert 1667) oder der Bierschlegel als Trinkgefäß von Melchior Landtsperger (um 1700). Großartig wirkt die kupferne, reich verzierte Schankkanne von 1738. Als ein Hauptwerk Weilheimer Schlosser gilt die Geldtruhe aus dem 18. Jahrhundert. Zunfttruhen weisen auf die Tätigkeit der Kistler hin. In Weilheim sind bisher rund 100 Namen von Hafnern bekannt. Eine kleine Auswahl figürlich geschmückter Ofenkacheln aus der Zeit um 1600 bestätigen deren handwerkliches Können. Aus der Werkstatt in Dießen - St. Georgen existiert ein sechsfach gedrückter Krug (datiert 1655) und ein Albarello (um 1600).

Vor- und Frühgeschichte

"Wilhaim" entstand vermutlich als Dorf (7. / 8. Jahrhundert) mit der Kirche St. Hippolyt aus der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts (nach der Gründung des Klosters Polling um 750). Doch die unmittelbare Umgebung Weilheims war bereits seit der Zeit um 2000 vor Christus mit einem neolithischen Stamm der sog. "Pollinger Gruppe" besiedelt. Funde dieser Besiedlung am Ufer des Jakobsees befinden sich als älteste Dokumente im Museum. Ebenso sind nachfolgende Epochen wie die Bronze-, die Urnenfelder-, die Hallstatt- oder Latènezeit durch Funde belegt (ornamentierte Keramik, Schmuck, Werkzeug). In der Zeit der Römerherrschaft in Oberbayern (Provinz Rätien) gab es Veteranengutshöfe ("villae rusticae") und eine befestigte Ansiedlung auf dem Moosberg bei Murnau, wo man Waffen, Fibeln, einen Stierkopf und eine Kuhglocke fand. Die frühesten Funde innerhalb des Weilheimer Stadtgebietes ergaben sich bei St. Pölten mit Waffen und Schmuck aus merowingischen Gräbern (6. / 7. Jahrhundert). In einer Vitrine werden auch Ausgrabungsobjekte aus der Stadtpfarrkirche gezeigt, mittelalterliche Kapitelle erinnern an frühe Bauten der Klöster Polling und Wessobrunn.

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