Der Weilheimer Kokosnusspokal

Im 16. und 17. Jahrhundert erlebte das Weilheimer Goldschmiedehandwerk eine Blütezeit. Zahlreiche Werkstätten arbeiteten von der Ammerstadt aus für private und kirchliche Auftraggeber aus nah und fern. So lassen sich z.B. allein für das Jahr 1631 sieben Goldschmiedemeister in Weilheim nachweisen. Einige dieser Meister widmeten sich dabei auch einer bestimmten Gattung kostbarer Gefäße, die insbesondere im 16. Jahrhundert vermehrt nachgefragt wurde: den sogenannten Kokosnusspokalen.

Dabei handelt es sich um Goldschmiedearbeiten in Form von Trinkpokalen, in welche die Schale einer Kokosnuss eingearbeitet wurde. Diese Art von Gefäßen hatte ab dem 13. Jahrhundert in Europa Verbreitung gefunden und erfreute sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte immer größerer Beliebtheit.

Als exotische Frucht aus sagenumwobenen Ländern, die eine lange und gefahrvolle Reise hinter sich hatte bevor sie in Europa ankam, zeugte die Kokosnuss - wie auch Straußeneier, Nautilusmuscheln und ähnliche Besonderheiten - vom Reichtum, dem Geschmack und der Weltläufigkeit ihres Besitzers. Zumeist wurden diesen Objekten auch wundersame und magische Eigenschaften zugeschrieben. So verhielt es sich auch bei der Kokosnuss. Während man ihr Fruchtfleisch für ein Heilmittel gegen allerlei Leiden hielt, schrieb man ihrer Schale die Eigenschaft zu, vergiftete Getränke anzeigen zu können.

Und so fanden Kokosnussgefäße Eingang in die Schatzkammern von Königen und Fürsten und gelangten als fromme Stiftungen in die Kirchenschätze. Ab dem 16. Jahrhundert wurden sie dann auch beim aufstrebenden Stadtbürgertum zu einem beliebten und gefragten Statussymbol.

Der Weilheimer Kokosnusspokal ist aufwändig mit ornamentierter und vergoldeter Silberfassung versehen. Besonders auffällig sind bei ihm die überkreuzten Zierbänder, welche die 3 Spangen der Kokosnusseinfassung miteinander verbinden sowie die, auf die Schale applizierten, gegossenen Groteskenornamente. Beschauzeichen und Goldschmiedemarke geben ihn als Werk des Weilheimer Goldschmiedes Wolfgang Glaner aus. Eine Inschrift auf der Pokallippe verrät den Namen des ursprünglichen Besitzers und das Jahr der Entstehung: „CASPARUS HUEBER 1584“ ist dort zu lesen.

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